Trainee-Blog

Die Baustellenfront in Castrop-Rauxel

Autor
Michaela Eigner
Liebe Leserinnen und Leser,

Sie haben in den vergangenen Blog-Einträgen bereits sechs der sieben Unternehmen kennen gelernt, die bei unserem Traineeprogramm mitmachen. Heute darf ich Ihnen die Jaeger Gruppe mit Hauptsitz in Dortmund vorstellen, die bundesweit mittelständische Unternehmen der Baubranche vereint. Mit rund 2.000 Mitarbeitern ist die Jaeger Gruppe (https://www.jaeger-gruppe.de/startseite.html) vor allem in den Bereichen Ausbau, Erd- und Tiefbau, Leitungsbau sowie Bahnbau tätig. Ein weiteres Standbein ist unter anderem die Be- und Verarbeitung von Glas und Kunststoffen.

Während meiner Traineezeit bei Jaeger war ich bei einem der oben genannten mittelständischen Unternehmen im Bereich Spezialtiefbau tätig – Kramer Gruppe, Abteilung Tiefbau, Dortmund (https://www.kramergruppe.de/startseite.html). Dabei war ich die meiste Zeit in der Bauleitung in Castrop-Rauxel eingesetzt.

Unser Bauvorhaben ist ein Teil des Megaprojekts ,Emscher-Umbau‘ im Ruhrgebiet. Im Rahmen des Emscher-Umbaus entsteht unter anderem mit dem Abwasserkanal Emscher ein neues Entwässerungssystem, das auf einer Länge von 51 Kilometern die Abwässer von rund 1,8 Millionen Einwohnern, Industrien und Gewerbegebieten aufnimmt. Über unterirdische Kanäle werden die Abwässer dem Hauptkanal zugeführt. Insgesamt werden Kanäle mit einer Gesamtlänge von circa 400 Kilometer im Zuge des Emscher-Umbaus unterirdisch verlegt. Damit wird der Tatsache begegnet, dass diese Abwässer noch immer oberirdisch abgeführt werden. Für mich war es bis dahin ein unbekannter Zustand, dass in Deutschland Entwässerungssysteme noch oberirdisch angelegt sind! Im Ruhrgebiet werden diese Abwasserbäche auch ,Köttelbecke‘ genannt. Nach der Entflechtung von Schmutz- und Regenwasser werden die nunmehr abwasserfreien Bäche revitalisiert.

Abwassersystem Emscher (Emschergenossenschaft, 2017)

Der neue Abwasserkanal Emscher verläuft entlang des alten Entwässerungssystems und somit am heutigen Verlauf des Flusses Emscher. Herausforderungen bei der Planung waren dabei Hindernisse, bebaute Flächen, Altlasten, kritische geologische Räume oder der Rhein-Herne-Kanal.

Der Kanal aus Stahlbeton beginnt in Dortmund mit einer Tiefenlage von etwa acht Metern unter der Geländeoberkante. Von dort aus wird der Kanal mit einem stetigen Gefälle von 1,50 Meter je Kilometer bis zu 40 Meter tief in die Erde vorgetrieben. Drei zwischengeschaltete Pumpwerke, die knapp 50 Meter tief sind und einen Durchmesser von rund 40 Meter aufweisen, befördern das Abwasser wieder aufwärts. Ohne diese Pumpwerke wäre der Kanal an seinem Ende bei Dinslaken 75 Meter tief unter der Erde. Das Entwässerungssystem ist für eine Mindestnutzungsdauer von 100 Jahren ausgelegt.

Die Kramer Gruppe ist für den Emscher-Umbau seit rund 25 Jahren tätig und hat bereits weit mehr als hundert Einzelbauvorhaben im Zuge dessen abgewickelt.

Unsere Bauleistung umfasst dabei den Bau von bis zu 18 Meter tiefen Baugruben in Spritzbeton-, Bohrpfahl- oder Spundwandbauweise, die als Start- oder Zielschächte für die maschinellen Rohrvortriebe dienen. Ferner beinhaltet unsere Arbeit die anschließende Erstellung von Ortbetonbauwerken und die Herstellung offen verlegter Kanalhaltungen. Umgesetzt wird diese Bauleistung im Rahmen einer Arbeitsgemeinschaft, bestehend aus der Firma Kramer Bauunternehmung GmbH aus Dortmund und der Firma Epping Rohrvortrieb GmbH aus Bocholt. Beide Firmen sind Unternehmen der Kramer Gruppe.Bauleistung

Mein Alltag war schließlich geprägt von baustellenorganisatorischen Aufgaben, vertragsrechtlichen Fragestellungen, Baustellen- und Aufmaßbesprechungen, Themen der Arbeitssicherheit, Nachtragsstellungen, wasserrechtlichen Angelegenheiten, Rechnungsprüfungen, der Zusammenstellung von Revisionsunterlagen und vielem mehr. Kurz gesagt: Bauleitertätigkeiten bei Schachtbauwerken mit einer Größe von Einfamilienhäusern und Kanalhaltungen, die aufgrund des großen Durchmessers mit einem Kleinwagen inspiziert werden könnten. Aufgrund der Bauleitertätigkeit hatte ich auch oftmals mit anderen Abteilungen, wie dem Einkauf, dem Personalwesen, der Abrechnung und dem Lieferscheinbüro zu tun.

Neben diesem vertraglich eher anspruchsvollen Bauvorhaben war es für mich als Berufseinsteigerin auch interessant zu sehen, wenn sich ein Unternehmen neu strukturiert. Aufgrund der breit gefächerten und verantwortungsvollen Aufgaben habe ich sehr viel während meiner Zeit bei Kramer gelernt. Auch trotz der teilweise turbulenten Zeiten mit Nachunternehmern und dem Auftraggeber habe ich nie die Freude an dieser lebendigen Tätigkeit verloren. Dazu haben auch einen großen Beitrag die herzhaften Arbeitskollegen und Vorgesetzten geleistet. An dieser Stelle bedanke ich mich noch einmal bei der Jaeger Gruppe für die gute Zusammenarbeit!

Viele Grüße

Michaela


Neuer Kommentar

Keine Kommentare